Im Wein liegt Wallis

Mit großer Vorfreude traten wir vor einigen Wochen unseren Trip ins Schweizer Wallis an. Schon der Flug dorthin, verhieß ein paar überragende Tage, wie man sehen kann.

Einfach eintauchen..

 

Das sonnenverwöhnte Kanton mit 300 Sonnentagen im Jahr ist ideal gelegen, um beste Weine zu produzieren. Dennoch stellt es sich als schwierig heraus, Walliser Weine zu einer festen Größe auf dem internationalen Markt zu etablieren. Kaum nachvollziehabar – gedeihen im Wallis doch schon allein 59 der über 250 Schweizer Rebsorten, und machen 40% der landesweiten Weinproduktion aus. Aber dennoch verständlich, denn das Gelände, auf welchem der Wein angebaut wird, ist kein einfaches. Das und die Tatsache, dass pro Rebstock nur 1,2 Kilo pro Quadratmeter abgeerntet werden dürfen, treibt auch den Preis in die Höhe. Somit wird der Großteil der in der Schweiz prodizierten Weine auch dort konsumiert. In einem aufwändigen System wurden bereits vor Hunderten von Jahren ca. 1800 Kilometer Wasserleiten installiert, um Gletscherwasser von den Wildbächen in die trockenen Täler zu leiten. Diese Suonen werden zum Großteil heutzutage nicht mehr gebraucht.

Sion et Fendent

Aber zurück zu unserer Tour. Gestartet haben wir mit dem berühmtesten Apéro-Wein der Region, einem Glässchen Chasselas-Wein, in Sitten, oder französisch Sion. 7000 Jahre Geschichte machen das knapp 35.000 Einwohner-Städtchen gleichzeitig zur ältesten Stadt in der Schweiz und zum Hauptort des Kantons. Es liegt beidseitig der Rhône, welche dem Rhônegletscher entspringt und sich 267 Kilometer durch die Schweiz nach Frankreich schlängelt. Durch das mineralhaltige, blau-schimmernde Wasser dieses Flusses und natürlich die idealen Wetterbedingungen, können Trauben optimal gedeihen. Allein in Sitten kann man 420 Hektar Weinreben, von insgesamt 5100 finden.

Unsere Tour führte uns in die historische Altstadt, vorbei an der Kathedrale unserer Lieben Frau, oder auch Cathédrale Notre-Dame du Glarier genannt, unter Tage zu der Ausgrabungsstätte der römischen Thermen. Hier hatten sich die Römer lange vor Christus niedergelassen und ihr Badehäuschen eingerichtet. Auch alte Gräber hat man unter der Stadt entdeckt.

Finde den Schädel

Dann ging es etwas höher hinauf und zwar zum im 14. Jahrhundert gebauten Tour des Sorciers, dem Hexenturm, welcher quasi noch als stummer Zeuge und Wahrzeichen der ehemaligen Stadtmauer fungiert. Hier wurden, angebliche Verbrecher mit auf dem Rücken gebundenen Händen über ein Kurbelsystem nach oben gezogen, bis sie ihre „Schuld“ eingestanden haben. Man kann sich vorstellen, wie schnell sie alles gestanden haben was die Ankläger hören wollten.

In beiden Locations haben wir leichte, angenehme Weine degustiert, und eine ge-

Rast an der Vinothek

wisse Morbidität konnten wir dem nicht absprechen. Wer genau hinschaut, wird bei der Ausgrabungsstätte sogar einen Schädel erkennen.

Nach einem kurzen Bummel durch die Altstadt, fanden wir uns an der Vinotec Le Vérre a Pied wieder. Neben einem 2015er Merlot, der sich zwar kraftvoll, aber dennoch weich am Gaumen anfühlte, kredenzte man uns eine typische und leckere Walliser Wurstplatte “Apéro”,

bestehend aus meheren Sorten Schinken, Wurst und Käse der Region, aus der Fromageire de Grenette. Somit hatten wir den ersten Teil unserer Reise abgeschlossen und es ging ins Hôtel-Restaurant Elite, wo der erste Tag nach einem leckeren Abendeesse endete.

Nudeln satt

Am folgenden Morgen ging es früh los in die Altstadt und auf den größten Markt der Westschweiz. Wurst, Käse, Brot, Gewürze, aber auch zahlreiche Nonfood-Artikel finden hier einen neuen Besitzer. Die Auslage vieler Produkte fanden wir teilweise sehr ansprechend und interessant.

Basilique de Valère

Anschließend stiegen wir über die Rue de Chateaux auf zur Basilique de Valère, in der sich eine der ältesten, spielbaren Orgeln der Welt befindet. Sie stammt aus dem 15. Jahrhundert. Hier verschlug es uns zum ersten Mal die Sprache, denn allein der Blick auf Sion, umrahmt von den mit Schnee benetzten Bergen ist einen Besuch wert.

Panorama

Nach dem Mittagessen im La Croix Fédérale, wurden wir weiter mit dem Bus zu den Celliers de Sion geführt. Die Kellereien Varon und Bonvin haben sich im Jahr 1992 zusammenschlossen, und 2017 entstand direkt am Fuße eines Weinbergs eine imposante Präsentations- und Degustationsfläche, als erster Önopark (abgeleitet vom griechi-

Infofläche mit Blick auf Weinberg

hen Wort „inos“ für Wein) in der Schweiz. In französischen Eichenfässern, die maximal 3 Mal zur Reifung genutzt werden, bzw. in Tanks, reifen die Weine ca. 18 – 36 Monate. Sie können dann zwischen und 5 und 10 Jahre degustiert werden.

Unter anderem wird auch der am Vortag erwähnte Chasselas hier angebaut und produziert. Aus dem Hause Bonvin kommt dann auch der hier abgebildete, facettenreichen und kräftige Cuvée, welcher zum 150-jährigen Bestehen des Winzers vorgestellt wurde.

Jubiläums-Cuvée

Ein leichter, blumiger Wein erwartete uns hoch oben auf dem Weinberg, wo ebenfalls eine gemütliche Terrasse mit Küche eingerichtet wurde und wo Reisende bei Wein und einer kleinen

Kurze Pause auf dem Weinberg

Blick auf den Önopark Celliers de Sion

Stärkung eine Pause von der Weinbergwanderung machen können. Diese kann man nämlich dort buchen. Während unseres Besuches hatten wir ca. 27 Grad und strahlenden Sonnenschein. Dazu noch die herrliche Aussicht. Da passte der uns angebotene Brûlefer hervorragend.

Weiter ging es ins B&B Zum Schleif. Die mit Abstand beste Übernachtungsmöglichkeit während unserer Tour, befindet sich im kleinen Örtchen Varen, mit gerade mal 625 Einwohnern (Quelle: Wikipedia, Stand Dez. 2017). Das 200 Jahre alte Gebäude wurde auf Intiative von regionalen Weinproduzenten 2016 liebevoll umgebaut und praktisch eingerichtet. Neben dem Blick aus dem Fenster

Blick vom B&B Zum Schleif

hat uns hier besonders gefallen, dass es keinen Fernseher auf dem Zimmer gab. So kann man sich nach einem langen Tag auf Entdeckungsreise durch die Weinberge entspannen und die absolute Ruhe genießen. Wer Glück hat wird um 5 Uhr morgens auch nicht geweckt wenn die Kirchenglocken den Weckruf aufzustehen und zur Arbeit zu gehen einläuten. Eine Tradition aus längst vergangenen Tagen, die weiterhin fortgeführt wird.

Extreme Weindegustation im Cave du Chevalier Bayard

So wird original Schweizer Raclette gemacht…

Nachdem wir uns kurz frisch gemacht hatten, ging es Abends ins Cave du Chevalier Bayard. Das 1975 gegründete, familienbetriebene Weingut, hat 25 verschiedene Qualitätsweine im Angebot von denen wir einige degustieren durften. Walliser Schinken, Käse und Brot, sowie  mehrere Teller mit äußerst leckerem, original Schweizer Raclette, rundeten diesen gemütlichen Abend ab. Zurückzuführen ist der Name übrigens auf den Ritter Pierre du Terrail de Bayard,

… und so wird es serviert…

dessen Name auch heute noch mit Loyalität, Edelmut und Tapferkeit gleichgesetzt wird. Wer also eine Nacht in Varen berbringt, solte unbedingt einen Raclette-Abend mit Degustation von 4-6 Weinen buchen. Es lohnt sich.

Reben auf dem Pfyfoltruweg

Nach einem vorzüglichen, den Wünschen des Gastes angepassten Frühstück, ging es am nächsten Morgen mit einem Führer auf den Pfyfoltruweg. Der in 2004 als Lehrpfad geschaffene “Schmetterlings”-(Pfyfoltru=Schmetterling) Weg, führte uns über 3,5 Kilometer, bis hinauf auf 905 Meter durch die Weinberge der Region Varen. Den gleichnamigen Pfyfoltruwein, den Pinot Noir, haben wir leider nicht kosten können.

Blick auf die „blaue“ Rhône

Sicherlich haben dies schon einige geschrieben, aber anders also sensationell schön, kann man den Anblick auf die umliegenden Berge und auf die Rhône nicht beschreiben. Ein Muss für jeden, der sich auf ins Wallis macht.

Ganz schön viel Arbeit – Weinanbau auf 1150 Metern Höhe

Mit dem Zug ging es dann nach Visp und nach einem schnellen Mittagessen waren wir schon mit unserem nächsten Wegführer unterwegs, um die St. Jodernkellerei zu besichtigen. Hier gelangten wir über den Reblehrpfad hin. Zwar nur 1,2 Kilometer lang, führte uns der abenteuerliche Weg durch die Vegetation,

über steile Aufgänge teilweise mit Seilführung, zu einer Aussichtplattform direkt gegenüber des höchsten, zusammenhängenden Weinberg in Europa. Hier wird Wein auf einer Höhe von 650 bis 1150 Meter angebaut – und bei einem Gefälle von bis zu 40%. Man muss kein mathematisches Genie sein um zu erkennen, dass Anbau, Pflege und Ernte hier kein Zuckerschlecken sind.

Heidawein

In der 1980 gebauten St. Jodernkellerei kommt das gesammte Traubengut zusammen und mittlerweile bewirtschaften ca. 500 Vinzer 2300 Parzellen. Daraus entstehen jährlich 300.000 Liter Wein, die in 400.000 Flaschen abgefüllt werden. Die mehfach mit dem Gault Millau ausgezeichnete Barrique-Kellerei, produziert u.a. den bekannten und vorzüglichen Heidawein. Die Räumlichkeiten, in die wir dann geführt wurden und mehrere Weine kosten durften, verleihen dem Ganzen ein uriges, aber auch modernes Ambiente, mit einem

anregenden Spiel von Licht und Schatten, sodass es eine wahre Freude war hier zu sitzen und unserem

Schöne, urige Atmosphäre in der St. Jodernkellerei

Guide zu lauschen. Vor allem der Heida Veritas überzeugte uns durch sein intensives Aroma und den langen Abgang. Auch unseren Lieblingswein des gesamten Medien-Trips haben wir hier degustieren dürfen. Der Heida Melodie “bildet mit seiner natürlichen Restsüsse für Nase und Gaumen eine Melodie besonderer Art”, so heißt es auf der Seite der Kellerei. Und tatsächlich hat es dieser Wein unserem Redakteur besonders angetan. Ein herzliches Dankeschön gilt hier dem Geschäftsführer Herr Markus Burgener, der zu jedem Wein die passende Geschichte hatte und für die Überraschung am Ende.

Hier verließen wir Visp und die Kellerei und machten uns auf zur letzten Übernachtungsstation unserer Reise – zum Heidadorf Visperterminen ins Hotel Rothorn. Die Aussicht aus den Zimmer hier ist wahrlich spektakulär.

Durch das gemütliche Dorf voller kleiner, steiler Wege und nostaligischen, alten Holzhäuschen, die teilweise als Spielhäuser für Kinder genutzt werden, machten wir eine kulinarische Führung mit 4 Stationen. Vom Apéro im Bistro Home Home, über die Vorspeise im Restaurant Spycher, ging es zum Hauptgang wieder ins Hotel Rothorn, um zu guter Letzt und nach vielen Wegen rauf und runter, das Dessert im Restaurant Heida einzunehmen. Erschöpft, aber zufrieden ging ein erlebnisreicher Tag zu Ende.

Wenn die Sonne die Berge wachküsst…

Unser letzter Tag brach auch am Sonntag Morgen wieder um 5 Uhr an, als die Kirchenglocken den traditionellen Brauch einläuteten. Auf dem Balkon konnten wir erleben, wie die Sonne langsam aufging und die Berggipfel erstrahlen ließ. Das bescherte uns einen unvergesslich-schönen Moment.

Mit der Bergbahn und einem Gläschen Heida-Wein, ging es dann Vormittags auf 2000 Meter ins Bergrestaurant Giw. Von hier aus sind u.a. die schneebedeckten Berge wie Bishorn, Weisshorn und Matterhorn zu sehen. Wenn wir bisher schon spektakuläre, tolle Ausblicke hatten – das Panorama, was einen dort oben erwartet, ist einfach unbezahlbar und atemberaubend.

Aussicht vom Giw

Dem Himmel so nah…

… in den Walliser Alpen…

Die Ruhe hier, umringt von über 4000ern, hat uns nachdenklich gemacht. Wir leben auf einem Paradies und durch die Hektik und Herausforderungnen des Alltags, bleiben unsere Augen dieser Tatsache gegenüber oft verschlossen. Wer aber ins Wallis reißt, wird erfüllt werden von der Größe und Schönheit, die unser einzigartiger Planet zu bieten hat. Dies kann man in vielen der edlen Tropfen nahezu schmecken und wenn wir demnächst eine Flasche Brûlefer, oder Cuveé Rouge aus der Region trinken sollten, werden wir die Augen schließen und an diese Momente voller Ruhe und Vollkommenheit auf diesem bezaubernden Fleckchen Erde denken.

Wir sagen Danke Schweiz, Danke dem Schweizer Tourismusbüro, SwissAir und der SBB für diese Möglichkeit einen kleinen, aber unvergesslichen Teil dieser Welt gesehen zu haben. Es wird uns sicher erneut dorthin ziehen.

Guten Tag und viel Glück

Quelle Bilder: Thomas Skandalis

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